15.01.2022

„Der Aufwand ist ein Brett“

Autor / Quelle: Schaumburger Nachrichten

Interview mit Schaumburgs designierten Schiedsrichterchef Frank Wieggrebe
Die meisten Menschen kommen nur zufällig an ein Ehrenamt, das ist vielleicht einer der Gründe für den Mangel. Beispiel Frank Wieggrebe. Als er seinen Sohn Tim zu einem Schiedsrichterlehrgang auf den Bückeberg kutschierte, wollte er eigentlich draußen warten. Doch dann fragte Schiedsrichterchef Wilhelm Kläfker, warum er sich nicht dazusetzen würde. Bei der Gelegenheit könne er doch das Regelwerk mitlernen. Ein Zettel und ein Kugelschreiber würden sich auftreiben lassen. Das Ergebnis der spontanen Anwerbung lässt sich sehen: Wieggrebe bestand später die Prüfung, wurde nicht nur ein gestandener Schiedsrichter, sondern wird demnächst sogar Kläfkers Amtsgeschäfte als Vorsitzender der Schiedsrichterausschusses übernehmen. So kann es gehen. Wir unterhielten uns mit dem 55-jährigen Frank Wieggrebe, der in jungen Jahren aus Hannover nach Algesdorf kam, mit der unvergessenen Vereinslegende Bernd Bosselmann befreundet war und sich auch im Beruf als Polizeibeamter in Wennigsen mit der Einhaltung von Regeln befasst.
Wilhelm Kläfker ließ sich im Frühjahr auf dem Kreistag wiederwählen, kündigte aber an, Sie im Laufe der Wahlperiode an die Aufgaben heranzuführen, um das Amt letztlich ganz zu übertragen. Läuft das bereits?
Ja, und als die Saison im Herbst lief, war ich überrascht, wie viel Arbeit da drinsteckt, insbesondere bei der Ansetzung. Ich kümmere mich bereits um die Altherren und Alt-Alt, die Aufgaben gehen allmählich auf mich über und es wird irgendwann einen kompletten Übergang geben.
Innerhalb der Wahlperiode?
Wir haben keinen genauen Zeitplan und ich bin über jeden Tag froh, an dem Wilhelm Kläfker das noch macht. Er ist für drei Jahre gewählt und wir werden sehen, ob wir schon vorher den Staffelstab auch offiziell übergeben. Es kann sein, aber es muss nicht sein. Wichtiger ist, dass ich reibungslos in die Aufgaben hineinwachse. Ich habe ihn im Urlaub vertreten und kann nur sagen: Der Aufwand für die Ansetzung ist ein Brett und während der englischen Wochen fast ein Fulltime-Job.
Wilhelm Kläfker wird nicht müde, auf den zunehmenden Mangel an Schiedsrichtern hinzuweisen. Wie sehen Sie das?
Ich will es mal anders ausdrücken. Wir haben etwa 130 Schiedsrichter in Schaumburg und die meisten sind mit viel Herzblut dabei. Jeder von ihnen ist wichtig. Es besteht der Anspruch, im Herrenbereich bis zur ersten Kreisklasse ein Gespann zu schicken. Das konnten wir im Herbst nicht vollständig durchalten, was natürlich schlecht ist. Dass sieben Vereine gar keine Schiedsrichter haben, geht eigentlich gar nicht. Andererseits gibt es mit dem TuS SW Enzen auch ein vorbildliches Beispiel, der mit zwölf Schiedsrichtern zum Spielbetrieb beiträgt. Es funktioniert also, wenn das Thema im Verein eine Aufmerksamkeit erfährt.
Es gab in letzter Zeit schöne Initiativen, den Erfahrungsaustausch der Schiedsrichter und Trainer zum Beispiel.
Die meisten Trainer kamen und waren interessiert, schon deshalb war es ein Erfolg. Wir wollen das auf keinen Fall versanden lassen, sondern noch in diesem Jahr wiederholen, allein um die Ergebnisse nachzuhalten und gemeinsam zu schauen, ob wir tatsächlich etwas verbessert haben und wo wir nachsteuern müssen.
Auf dem Treffen wurde auch das Thema Rassismus angesprochen.
Ich selbst habe solche Vorfälle als Schiedsrichter noch nicht erlebt, höre aber, dass das immer mal wieder vorkommt. Ich wäre glücklich, wenn wir irgendwann mal komplett damit durch wären und kein Mensch mehr glaubt, mehr wert zu sein, nur weil er andere äußere Merkmale oder eine andere Herkunft hat. Es nervt und wir werden das weiterhin im Blick haben. Von den Schiedsrichtern wird viel verlangt. Sie müssen das Spielgeschehen verfolgen, sie sollen erahnen, was hinter ihren Rücken passiert und sollen auch noch auf Zwischenrufe achten. Eine anspruchsvolle Aufgabe.
Auch die Werbeaktion in der Schule für junge Schiedsrichter war eine interessante Initiative.
Das stimmt, wir konnten 20 junge Leute gewinnen, haben wegen Corona und der Spielpause aber naturgemäß Schwierigkeiten, sie bei der Stange zu halten. Trotzdem war zu erkennen, dass sich sowas auf jeden Fall lohnt. Wir werden verstärkt darstellen, dass die Aufgabe des Schiedsrichters eine sportliche Herausforderung ist - und zwar eine positive.
Was passiert in der Lehrarbeit?
Dort sind wir vielleicht so gut aufgestellt wie seit Jahren nicht, auch wegen neuer Methoden. Unsere Lehrwarte nutzen moderne Techniken, gehen Video-Sequenzen hiesiger Spiele vertieft durch, schauen sich auch Bundesliga-Szenen an. Das ist praxisnah und das kommt gut an. Gabriel Müller entwickelte sogar eine Ausbildungs-App mit. Es gibt Online- und Präsenzlehrgänge, mit Julian Laurin Krisp haben wir auch für die Jung-Schiedsrichter einen sehr guten Mann und wir sind auf übergeordneter Ebene stark vertreten.

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Seite zuletzt aktualisiert am: 12.05.2022

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