70, 80, 90 – Schaumburger Fußball-Legenden feiern ihren runden Geburtstag

Es scheint kein Zufall zu sein, dass die drei Jubilare in ihrer aktiven Zeit allesamt als kampfkräftige Abwehrspieler bekannt waren. Die kreativen künstlerischen Aufgaben auf dem zu seiner Zeit nicht immer grünen Rasen übernahmen ausschließlich Akteure, die in der Formation vor ihnen spielten. Die Fußballstrukturen der Nachkriegszeit entwickelten sich nur langsam. Das WM-System von 1954 ließ sich nicht so schnell verdrängen. Es war der Zeitraum, bei dem die Verteidiger ganz selten die gegnerische Spielhälfte betraten. Franz Beckenbauer zeigte uns dann, wie man als Libero zum Erfolg kommen kann. Heute richten es die Schienenspieler, die „falsche Neun“, die Ketten und der Torwart als „neu geborener Libero“.
Harry Schönemann (70) (Uwe Seeler - das Spiel, der Zweikampf, das war der absolute Höhepunkt meiner Laufbahn!) vom TuS Enzen gehört zur Goldenen Generation der 70er bei den Schwarz-Weißen. Zusammen mit Jürgen Steininger und Gerhard Milde an Spitze gelang 1979 der Sprung in den Bezirk. Die Vorstopperrolle interpretierte der zweikampfstarke Mannschaftskapitän bereits nach „Modern Art“. Seine körperliche Robustheit war ihm dabei nicht im Wege. In seiner Vita steht jedoch nur eine vermeintlich unberechtigte rote Karte. Sein berühmtester Gegenspieler war Uwe Seeler bei einem Auswahlspiel im Mindener Weserstadion. Der damals gerade im Altherrenalter befindliche Enzer sah vom 51-jährigen vierfachen WM-Teilnehmer fast nur die Hacken. Allerdings hatte „Uns Uwe“ u. a. mit Hölzenbein, Bonhof, Grabowski und Overath keine so schlechten Mitspieler. Und weil jeder gut geführte Verein auch beste ehrenamtliche Helfer braucht, übernahm der Kaufmann von 1987 bis 1999 das Präsidentenamt. Danach folgten die Problemjahre beim TuS. Es ging abwärts bis hinunter in die 2. Kreisklasse. Die Lösung auf Aussicht zur Besserung war schnell gefunden: Schönemann wurde 2005 erneut an die Spitze der Schwarz-Weißen berufen. Es ging wieder aufwärts und nach einem Jahrzehnt konzentriert sich der „Haudegen“ ausschließlich auf seine Aufgaben in der AH-Elf; aktuell in der U70 beim FV Wannsee/Berlin, seinem zweiten Wohnsitz.
Klaus Feldhaus (80) (Mit Herz und Liebe bin ich Fußballer!) liebt den Fußball mit vollem Herzen. Der ehemalige Torwart und Trainer aus Tallensen kam allerdings erst relativ spät mit 13 Jahren zu Deutschlands beliebtester Sportart. Was lag näher, als beim Verein „um die Ecke“ das Trikot überzustreifen. Der FC Hevesen freute sich auf den talentierten Nachwuchskicker und stieg 1974 verdientermaßen in den Bezirk auf. Die Verweildauer hielt jedoch nur zwei Saisons. Und weil die Sache mit dem Aufstieg so viel Spaß machte und Freude bereitete, gelang dem Goalie das gleiche Kunststück Jahre später mit dem VfL Bückeburg. Dazwischen lagen schon erste Erfahrungen als Spielertrainer (TSV Krainhagen) und Trainer (TSV Bergkette, SV Päpinghausen/Cammer). Der VfL aus der Residenzstadt wurde dann aber die endgültige Bleibe; erst als Spieler, dann als Trainer. Er stieg als Coach der „Zweiten“ in den Bezirk auf und steuerte auf den Titel Feierbiest zu.
Um als Torwart ein ganz Großer zu werden, fehlten ihm ein paar Zentimeter an Körperlänge.
Vieles wurde jedoch durch knallhartes Training im Sandkasten kompensiert. Seine Trainer Reinhard Schlömer und Helmut Daseler waren entscheidend für die Entwicklung der Sprungkraft verantwortlich. Das änderte aber grundsätzlich wenig daran, dass die Tore einst ein wenig zu groß konzipiert waren. Noch heute trifft sich der Jubilar regelmäßig mit Alterskollegen im Sportheim, um den Ruf der „Riege der Besserwisser“ aufrecht zu erhalten.
Franz Steiner (90) ist in der Jugend beim SV Nordsehl groß geworden. Doch schon bald ging es es zum großen Nachbarn FC Stadthagen. Einen Stammplatz konnte sich der Verteidiger auf Anhieb nicht erkämpfen – aber mit Fleiß und Beharrlichkeit, einer der Tugenden des Abwehrrecken, war die „Wartezeit“ nicht allzu lang. Trainingseifer, verbunden mit einem gesunden Schuss Disziplin, sicherten ihm den Stammplatz über ein Jahrzehnt. Mit seinen 1,78 Meter gehörte Franz nicht zu den größten Abwehrspielern, dennoch war dasKopfballspiel neben seiner Zweikampfstarke sein großes Plus. Das Dreigestirn Karl Thon, Franz Steiner und dem überragenden Keeper Frank Degering war der Garant für die erfolgreichen Jahre des FC. Eine Mannschaft bleibt dem Franz in besonderer Erinnerung: Beim TSV Havelse musste er das erste und das letzte Mal den Platz auf Anordnung des Schiedsrichters vorzeitig verlassen.
Mit 39 Jahren wechselte Steiner dann zum dritten Verein seiner Fußballerkarriere, zum SV Nienstädt. Nicht sofort, nachdem er 23 Monate zuvor mit der Familie in die neue Wohnstätte nahe des 09-Sportgeländes eingezogen war. Es soll beim Schützenfest das letzte Bier gewesen sein, das den Wechsel vom blauen zum roten Hemd beschleunigte. Keine Frage, es war einer der besten Zugänge am Schierbachstadion.







